Backsteingotik in Wismar

Wer einen Spaziergang durch Wismar macht, der kann sie überall sehen, die schönen alten Häuser, die in der sogenannten Backsteingotik erbaut worden sind. Die Backsteingotik hat ihre Heimat im hohen Norden und dort prägt sie bis heute in vielen Städten das Stadtbild. Die Frage, warum so viele sakrale und profane Bauten in Norddeutschland aus roten oder gelben Backsteinen im Stil der Gotik gebaut wurden, lässt sich sehr einfach beantworten – sie entstanden, weil es im Mittelalter kein anderes Baumaterial gab. Die Backsteingotik hat dafür gesorgt, dass die Kirchen von außen zwar eher unscheinbar sind, jedoch von innen vielfach umso prächtiger gestaltet wurden. Das ist auch in Wismar der Fall, wo es noch eine Reihe von sehenswerten Gebäuden im Stil der Backsteingotik gibt.

Alter Schwede in Wismar. Foto: MV-Travel.de

Ein Sinnbild der Hanse

Die Geschichte der Backsteingotik beginnt im Mittelalter, genauer gesagt zu der Zeit, in der die Hanse immer bedeutender wurde. In Lübeck, das damals die „Königin der Hanse“ genannt wurde, entstand mit der Kirche St. Marien einer der ersten sakralen Bauten in Norddeutschland und bis heute gilt diese Kirche als eines der imposantesten Bauwerke, die in Backsteingotik gebaut wurden. Das Langschiff der St. Marien Kirche ist 40 Meter hoch und damit das höchste Backsteingewölbe, das es auf der Welt gibt, die Kirche selbst steht auf der Liste der größten deutschen Kirchen auf dem dritten Platz. Die Kirche St. Marien ist jedoch nicht die einzige Schönheit in Backstein, auch das weltberühmte Holstentor der Hansestadt wurde aus den charakteristischen roten Backsteinen gebaut.

Von Lübeck aus breitete sich die Backsteingotik im gesamten Ostseeraum aus. Es entstanden Kirchen, Wohn- und Geschäftshäuser in Neubrandenburg, in Rostock und Stralsund, in Riga, dem ehemaligen Danzig und auch in Wismar.

Der Werkstoff Backstein

Wassertor in Wismar. Foto: MV-Travel.deBacksteine sind Ziegelsteine, aber mit dem Unterschied, dass sich die Backsteine nicht so filigran verarbeiten lassen. Der Ziegelstein ist ein sogenannter Haustein, der so lange behauen wird, bis er die passende Form hat. Backsteine werden aus Lehm- oder Tonerde hergestellt, die in eine Form, ein sogenanntes Model gebracht und dann für mehrere Tage in einem Ofen gebrannt werden. In der Tonerde ist Eisenhydroxid enthalten, was bei einer Temperatur von 1000° Grad zu Eisenoxid wird und den Steinen ihre rote Färbung verleiht. Die Herstellung von Backsteinen ist sehr zeitaufwendig, denn bevor die Formen in den Ofen kamen, mussten sie zunächst einmal mehrere Jahre trocknen. So dauerte es insgesamt drei Jahre, ehe die roten Steine zum Bauen verwendet werden konnten.

Es brauchte viele Arbeitsschritte, bevor ausreichend Steine vorhanden waren, um ein Haus zu bauen. Die Arbeit begann im Herbst, wenn der Ton gestochen und angehäuft wurde. Dann musste er im Freien überwintern, damit der Frost die Masse auflockern konnte. Wenn das Frühjahr kam, dann wurde der Ton mit Wasser gemischt und anschließend gestampft, denn das macht ihn geschmeidig. Im nächsten Schritt wurden die Formen oder Holzmodeln mit dem Ton gefühlt, anschließend wurde der überschüssige Ton mit einer Drahtschlinge abgeschnitten und dann begann die Zeit des Wartens. Die Tonerde musste so lange in den Formen trocknen, bis sie sich beim Herausnehmen nicht mehr verformt haben. Um einen perfekten Trockenvorgang zu erreichen, wurden die Modeln auf Bretter gelegt, die man kreuzweise übereinandergestapelt hat. Im letzten Schritt kamen die Modeln in den Ofen und aus den Rohziegeln wurden Backsteine.

Die Backsteinarchitektur der Hansestädte

Die Hanse, was so viel wie Bund oder Schar bedeutet, wurde 1259 gegründet, die ersten Bauwerke, die mit roten Backsteinen gebaut wurden, sind aber wesentlich älter. So wurde die Klosterkirche von Jerichow nachweislich 1144 erbaut, und zwar im Stil der Romanik mit einem runden Kreuzgewölbe und runden Bögen für die Fenster. Als sich die Hafenstädte an der Ostseeküste zur Hanse zusammenschlossen, breitete sich die Backsteinarchitektur schnell aus, denn Tonerde gab es genug und es wurden zahlreiche Ziegeleien gegründet, in denen der Werkstoff verarbeitet werden konnte.

So entstand im Jahre 1294 zur Zeit der Hochgotik das Münster von Bad Doberan, das heute als das wohl bedeutendste Bauwerk im Stil der Gotik in Mecklenburg-Vorpommern gilt. Die älteste Fischerkirche in Rostock ist die St. Petrikirche, die 1252 erstmals urkundlich erwähnt wurde, die größte Kirche ist jedoch die dreischiffige Basilika St. Marien.

Backsteingotik in Wismar

„In Wismar werfen die Kirchen wie rote Berge auf“, hat einmal ein Dichter beim Anblick der Wismarer Backsteinkirchen gesagt und bis heute sind es die Kirchen, die die Backsteingotik in der Stadt dominieren. Der Baumeister Johann Grote entwarf im 14. Jahrhundert die Kirche St. Marien, und zwar nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche. Die schöne Kirche wurde in der Bombennacht vom 14. auf den 15. April 1945 schwer beschädigt. Die Reste der Kirche wurden 1960 gesprengt und alles, was blieb, waren der Turm der Kirche und das Geläut mit seinen zwölf Glocken.

Auch die Kirche St. Georgen wurde im Krieg durch Bomben fast zerstört, aber da sie offenbar niemandem im Weg stand und die Distanz zum Rathaus groß genug war, durfte diese Ruine stehen bleiben. In den 1990er Jahren sammelte die deutsche Stiftung Denkmalschutz Geld und St. Georgen, die jüngste der Wismarer Kirchen, die 1295 erbaut wurde, erstrahlt heute wieder in neuem Glanz.

Backsteingotik in Wismar. Foto: MV-Travel.de

Es sind aber nicht nur die sakralen Bauten in Backsteingotik, die heute das Stadtbild von Wismar prägen, es sind auch die Profanbauten, wie das Haus „Alter Schwede“. Erbaut um das Jahr 1380, ist es das älteste Bürgerhaus der Stadt und gilt heute als das beste Beispiel der Backsteinarchitektur im Stil der Gotik. Ganz typisch für diese Architektur ist der Pfeilergiebel in Form einer Treppe, der mit glasierten Ziegelsteinen verziert wurde. Während die unteren Etagen als Wohnraum genutzt wurden, waren in den Dachgeschossen die Speicher untergebracht. Der „Alte Schwede“ wurde in den 1970er Jahren restauriert und dabei wurde ein Dielenhaus im Stil der Gotik mit einem sogenannten Sichtmauerwerk freigelegt. Auch an der Rückseite des Gebäudes wurde man fündig, denn dort wurde ein Fachwerk aus Eiche mit einer Ausfachung aus Ziegeln entdeckt.

Ein weiteres Beispiel ist das Archidiakonat aus dem 15. Jahrhundert, das ursprünglich einmal zu einem Wohnhaus gehörte. 1945 und 1960 bei der Sprengung der Marienkirche schwer beschädigt wurde, 1961 mit dem Wiederaufbau begonnen und die Stadt Wismar hat dieses einzigartige Baudenkmal der Backsteingotik restauriert und zum Teil auch rekonstruiert.


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